Fliegenfischen am kleinen Bach

Fliegenfischen am kleinen Bach

Fliegenfischen am kleinen Bach – warum gerade diese Gewässer so spannend sind

Beim Fliegenfischen liebe ich die Abwechslung. Zwar angle ich gern an großen Bächen , etwa in Süddeutschland, Slowenien, Österreich, Spanien etc., aber ebenso an den kleineren, schmaleren klaren schnellen Bächen Österreichs oder natürlich in den deutschen Mittelgebirgen wie der Eifel oder ähnl. – zu jenen schmalen bewachsenen Bächen und Rinnsalen, die viele Fliegenfischer übersehen oder evtl. auslassen aufgrund der „drohenden“ Anforderungen.

Zu klein, zu eng, zu zugewachsen – so lautet meist das innere Urteil. Doch genau darin liegt eigentlich der Reiz.

Dein Bachfischereikurs mit der Fliege

Warum faszinieren kleine Bäche so? An kleinen verwachsenen Gewässern gibt es natürlich viele interessante Standplätze für Bachforellen oder Äschen. Tiefe Gumpen unter dichter Ufervegetation, schmale Rinnen zwischen Wurzeln, kleine Auskolkungen zwischen Steinen oder unscheinbare Taschen hinter Hindernissen bieten oft mehr Möglichkeiten, als man zunächst vermutet. Viele dieser Stellen lassen sich meist nur mit präzisen Würfen erreichen.

Hinzu kommt die besondere Atmosphäre. Das Fischen an kleinen Bächen verlangt ein vorsichtiges Vorgehen. Jeder Schritt, jede Bewegung und jeder Wurf zählt. Wer Erfolg haben möchte, muss aufmerksam beobachten und sich unauffällig verhalten.

Der größte Vorteil: Viele dieser Gewässer werden deutlich seltener (bis gar nicht) befischt als bekanntere breitere Bäche und Flüsse. Meist verbringt man einen ganzen Tag am Wasser, ohne einem anderen Fischer zu begegnen.

Auch ökologische Gründe sprechen für manche kleinen Bäche. Viele von ihnen wurden bislang weniger stark von Fischfressern wie Kormoranen beeinträchtigt als größere offenere Gewässer. Zudem finden sich dort häufig noch ursprüngliche Fischbestände, die nicht durch regelmäßige Besatzmaßnahmen geprägt wurden.

Besonders spannend wird es, wenn keine steigenden Fische zu sehen sind. An kleinen Bächen lassen sich potenzielle Standplätze oft sehr gut erkennen: unter Erlenwurzeln, in kleinen Kolken vor und hinter Steinen, an Poolköpfen oder unter überhängenden Ästen. Auf wenigen Metern findet man häufig zahlreiche interessante Bereiche.

Nicht jedermanns Sache

Das Fischen an winzigen Bächen hat allerdings seine Eigenheiten. Die Herausforderung nicht regelmäßig in Ästen, Brombeeren oder umgestürzten Bäumen hängen zubleiben ist groß. Manchmal verbringt man mehr Zeit damit, Fliegen aus Hindernissen zu befreien, als mit dem eigentlichen Fischen – aber, geht man öfter, wächst der Lerneffekt und sichert den werferischen Status ernorm.

Auch die Fortbewegung am und im Wasser kann anspruchsvoll sein. Das Waten entlang überwachsener Ufer, das Überklettern umgestürzter Bäume oder das Durchqueren dichter Vegetation gehört oft dazu.

Wie du es meistern kannst

An kleinen Bächen entscheidet häufig die Tarnung, dein Verhalten bzw. dein „Auftritt am Wasser“ über Erfolg oder Misserfolg. Die Fische leben in klarem Wasser und reagieren sensibel auf Störungen.

Hilfreich sind:

  • unauffällige Kleidung, die sich der Umgebung anpasst
  • möglichst wenig Bewegung
  • langsames und vorsichtiges Waten
  • möglichst keine „schlürfende“ Schritte unter Wasser!
  • niedrige Körperhaltung
  • längere Beobachtungsphasen vor dem ersten Wurf
  • Vermeidung von Schatten auf dem Wasser
  • möglichst wenige bis keine Leerwürfe
  • verunglückte Würfe „ausfischen“ – keine unnötige weitere Störung

Wenig tun – wenig mitnehmen!

Auch die Ausrüstung sollte möglichst unauffällig sein. Matte Ruten und Rollen reflektieren weniger Licht als glänzende Modelle – keine Pflicht, aber durchaus ein guter Gedanke. Dezente Fliegenfarben wirken oft natürlicher.

Welche Fliegenruten am kleinen Bach  eignen sich?

An offenen Bächen ohne viele Hindernisse können längere, leichte Ruten von Vorteil sein. Das kann aber 50 m weiter wieder anders aussehen. Grundsätzlich würde ich in der Definition „kleiner Bach“ von 1,5m – bis 5m andenken im Mittel, in Außenkurven und Auswaschungen gerne auch mal 8-10 m, allerdings mit einer Vollbewuchs-Struktur von mind. 50% , eher 70-80% (Bäume, Beschattung etc.)

An engen, stark bewachsenen Bächen sollte man grundsätzlich zu kürzeren Ruten greifen. Alles was hier im Bereich von 6ft. – max. 8 ft. Liegt passt hier meist gut.

Da du mit mind. 50-80% Rollwürfen oder ähnl. Wasserkontaktwürfen ausgehen mußt, empfiehlt sich ein progressives ( auch langsameres) Ruten-Taper, welches schon „früh“ Energie möglichst tief einspeichern kann.

Die Vorfachlänge hängt stark von Gewässer, Fischgröße und Bewuchs ab. Während manche Angler auf sehr lange Vorfächer setzen, bevorzugen andere kürzere Systeme, die sich leichter werfen lassen. Dies wirst du vor Ort in Bezug auf Bewuchs, Wasserständen, Transparenz etc. einschätzen.

Werfen mit der Fliege am kleinen Bach

An vielen kleinen Bächen bleibt kaum Platz für einen normalen Überkopf-Rückwurf. Deshalb kommen verschiedene Spezialwürfe zum Einsatz:

  • Bow-and-Arrow-Wurf
  • Wasserwurf
  • Rollwurf
  • Switchvarianten
  • kurze Unterhandwürfe
  • seitliche Würfe unter Ästen hindurch - sidecast Präsentationen

Wenn Platz vorhanden ist, kann ein gezielter Präsentationswurf unter überhängende Vegetation besonders effektiv sein. Oft steht genau dort der Fisch.

Wichtig ist vor allem eines: Die Fliege muss irgendwie zum Fisch gelangen. Perfekte Lehrbuchwürfe spielen an vielen Kleingewässern eine eher untergeordnete Rolle, allerdings müssen wichtige Parameter natürlich erfüllt werden.

Fliegenmuster für die Bachfischerei

Die Auswahl hängt stark von den vorhandenen Nahrungsorganismen ab. Wer regelmäßig an kleinen Bächen fischt, profitiert davon, das Gewässer genau zu beobachten.

Hilfreich sind:

  • Beobachtung steigender Fische
  • Kontrolle der Unterseite von Steinen
  • vorsichtiges Keschern von Insekten im Driftbereich
  • Analyse der Ufervegetation

Typische Muster sind kleine Trockenfliegen, Köcherfliegen-Imitationen, Steinfliegen, Mückenmuster, Käfer und verschiedene Nymphen.Bleibe hier klassisch angepasst in den Grössen, eher klein im Haken #14 kann gross sein, bis #20 möglich.Eigenschwere Nymphmuster wie Pheasant Tail Varianten und alle ähnlichen muster, über Nassfliegen in braun, schwarz, North Country spider sind eine gute Option. Dazu alles was „trocken2 aber auch „nass gezogen“ gute Erfolge bringen kann (Griffiths Gnat Varianten, Midges, Käfer, kl. Emerger etc.), natürlich entsprechende Trockenmuster aller Coleur.

Fazit

Kleine Bäche sind kein Ersatz für große Flüsse – sie bieten ein völlig anderes Erlebnis. Wer bereit ist, sich auf enge Würfe, vorsichtiges Anschleichen und unscheinbare Standplätze einzulassen, entdeckt eine faszinierende Form des Fliegenfischens. Die Gewässer mögen klein sein, die Herausforderungen und Erlebnisse sind es nicht.

Fliegenfischerkurse am Bach

Falls dich diese eigene Fischerei mit der Fliege am kleinen Bach interessiert lade ich Dich gerne ein zu einem entsprechenden Kurs oder begleitetem Fischen an einem solchen Gewässer in der Eifel ein.

Informationen erhälst du hier:

https://fliegen-shop.de/collections/fliegenfischenkurse-und-workshops

 

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